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Kärnten - Lust am Leben

Das Wunderwasser tief im Nadelwald – die Ursulaquelle

von Johanna Wohlfahrt

Ein wahrlich sagenhafter Ort ist das. Ein durch alte Geschichten und Legenden aufgeladenes Plätzchen mitten im hohen Fichtenwald. Das wird schon nach den ersten paar Schritten dieser kurzen Wanderung in Richtung „Ursulaquelle“ klar. Gerlinde Schnitzer-Zarre ist hier im Wandergebiet Hochrindl aufgewachsen. Sie begleitet mich und kennt jeden Stein entlang des Weges. Und natürlich jede Erzählung aus alter Zeit, die mit dieser Almregion hier zu tun hat.

Der Wind rauscht in sanften Böen durch die hohen Bäume, hie und da leises Flöten eines Vogels. Ansonsten viel Stille und viel Aussicht. Der Weg zur Quelle gibt immer wieder den Fernblick in Richtung St. Lorenzen frei, ein unverfälschtes Bergdörfchen etwas weiter westlich von Hochrindl. „Früher war dieser Sattel hier ein Pilgerweg vom Gurktal hin nach St. Lorenzen zur Wallfahrtskirche St. Anna“, erzählt Schnitzer-Zarre. Dort befindet sich bis heute die höchstgelegene Pfarre Kärntens. Am Weg machten die Pilger immer wieder Halt bei der Ursulaquelle, um Kraft zu tanken und ihren Durst zu stillen. Der Sage nach stand einst neben der Quelle eine Kapelle. „Doch weil so viele Menschen ein liederliches Leben führten und wenig Gutes vollbrachten, wurde die Kapelle angeblich vom Erdboden verschluckt. Übrig blieb nur die Quelle. Zum Reinwaschen von Frevel und Schuld.“

Gerlinde Schnitzer-Zarre kennt aber auch die zweite, weltlichere Legende, die um diesen Ort rankt. Und die sollte man wohl gar nicht an die große Glocke hängen, denn sonst wird dieser Kraftort im Wald eventuell bald von Anti-Aging-Horden heimgesucht. „Man erzählt sich, dass eine Magd mit ihrem Vieh hier regelmäßig vorbeikam. Sie war offenbar wirklich keine Schönheit und fand deshalb keinen Mann. Da sie sich aber bei jedem Besuch der Quelle das Gesicht mit dem frischen Wasser wusch, wurde sie mit der Zeit schöner und schöner. Sie hat sich mit dem Wasser sprichwörtlich schöngewaschen“. Ein Beauty-Geheimnis aus alter Zeit, also. Gut zu wissen.

EIN ORT MIT KRAFT.

So plaudern wir im Gehen dahin. Und sind nach einer guten halben Stunde am Ziel unseres Almspaziergangs. Als wir uns der Ursulaquelle nähern, werden wir beide wie auf Kommando leise. Tatsächlich herrscht um den hölzernen und moosbewachsenen Brunnen, in dem die Quelle gefasst wird, eine außergewöhnliche Atmosphäre. Das monotone Glucksen und Sprudeln des Wassers bildet die fast meditative Geräuschkulisse, leicht gedämpft vom weichen, grünen Waldboden rundum.

Dann ist da noch dieser verwitterte Holzzaun. Der umfriedet eine wenige Quadratmeter große Fläche, auf der bei genauerem Hinsehen zwischen kleinen Nadelbäumen und hohen Grashalmen kreuzartige Gebilde aus abgefallenen Zweigen, Gräsern und Pflanzen stehen. Ein ziemlich mystischer Anblick. Und wieder steuert Gerlinde Schnitzer-Zarre die faszinierende Geschichte dazu bei: „Viele Menschen nutzen den Gang zur Ursulaquelle, um ihre Sorgen und Nöte hier abzuladen. Das machen sie, indem sie aus abgestorbenen Ästen und anderem Material, das sie hier im Wald finden, ein kleines Kreuz binden. Wie man sieht, verspüren viele das Bedürfnis, hier etwas loszuwerden“, sagt die Einheimische und deutet auf die vielen Kreuze, die vielfach erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar sind.

EINMALIGES WASSER.

Kreuz muss ich heute keines binden, zum Glück. Aber ein Schluck des herrlichen Quellwassers muss es schon sein, wenn man schon einmal da ist. Zuerst die Hände in das gemächliche Plätschern halten: Das Wasser ist klirrend kalt und kommt stets mit einer Temperatur zwischen 4 bis maximal 8 Grad Celsius ans Tageslicht. „Die Quelle friert auch im eisigsten Winter nicht zu“, erklärt Schnitzer-Zarre. Man sagt dem sprudelnden Nass nach, dass es rechtsdrehend sei. „Das bedeutet, dass in dem Wasser besonders viel Energie und Kraft steckt“. Die Wissenschaft tut sich freilich immer schwer mit solchen Aussagen. Aber die Erfahrungen der Menschen stehen dem gegenüber. Wohl nicht umsonst wurde die Ursulaquelle schon im Mittelalter als Heilquelle für Augenleiden und Sehschwäche gehandelt. Bis heute pilgern auch deshalb viele Menschen mit derlei Problemen hierher.

Ich aber bin jetzt wirklich durstig und nehme ein paar kräftige Schlucke. Ungeachtet dessen, ob ich dadurch schön, gesund, energiegeladen oder von Lasten befreit werden kann, fällt sofort auf: Dieses Wasser schmeckt einmalig! So frisch, so weich, so samtig im Mund, wie man es – als leidenschaftliche Wassertrinkerin kann ich das beurteilen - nur mehr selten wo genießen kann. Allein das ist einen Ausflug zur Ursulaquelle wert. Und alle anderen Wohltaten dieses Wassers kann ich ja noch ausprobieren. Jetzt, wo ich weiß, wo man sie kriegt...

TIPP

Wanderung zur Ursulaquelle am besten ab Gasthof Alpl/Hochrindl. Dort gibt es einen Parkplatz, wo das Auto stehen bleiben kann. Ab hier ist der Weg gut ausgeschildert, man quert einen Schipisten-Hang und geht dann leicht bergauf über Waldboden und Schotter. Gehzeit in einer Richtung: ca. ¾ Stunden.

Wer auch einen Gipfelsieg einbauen will, marschiert von hier weiter auf den Kruckenspitz und kehrt über die weitläufigen Almen des Zmollnigbodens wieder zurück. Gehzeit: ca. 3 Stunden.

Detailinfos zu geführten Wanderungen zur Ursulaquelle (Vollmondwanderung, Morgenwanderung, Wanderung mit Kindern) auf der Webseite: www.hochrindl.at

Telefon: (0 42 79) 21 167

WEBTIPP: berglust.at

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Hochrindl - Alles in Alm

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